In memoriam Andreas Vowinckel | 1940 – 2026
Der Kunsthistoriker und Sammler Andreas Vowinckel ist am 23. Mai 2026 im Alter von 86 Jahren gestorben. Seit 1997 befindet sich das Archiv aus seiner Tätigkeit für die documenta-Foundation als Bestand C 11 und ab 2015 Unterlagen zu dem von ihm und seinem Bruder gegründeten Galeriehaus Köln (Bestand C 13) im ZADIK. Sein Bruder Christoph Vowinckel, der 2024 verstorben ist, hatte als Testamentsvollstrecker und Erbe bereits 1997 den Bestand des Kunstkritikers und Sammlers Albert Schulze Vellinghausen (G 4) dem ZADIK übergeben.
Die Gebrüder Vowinckel waren seit Mitte der 1960er Jahre in der Kölner Kunstszene ein fester Begriff. Bereits seit ihrer Kindheit waren sowohl Andreas als auch sein Bruder Christoph mit dem Kunstbereich verbunden. Der Vater und Kölner Kaufmann Werner Vowinckel sammelte seit den frühen 1920er Jahren Kunstwerke von u.a. Marc Chagall, Emil Nolde, Wilhelm Lehmbruck und zeitgenössischen Kölner Künstler*innen und besaß in den 1930er Jahren eine große Paul Klee-Sammlung, die nach seinem frühen Tod 1943 seine Witwe Edith Vowinckel-Diel verwaltete.
In den 1960er Jahren studierte Andreas Vowinckel zunächst an der Universität zu Köln Kunstgeschichte und promovierte 1979 an der Universität Bonn zum Thema Surrealismus und Kunst.[i] Über den Kontakt zu Hein Stünke (Galerie Der Spiegel, Köln) und seinen Bruder Christoph, die beide Mitglieder des documenta-Rats waren, nahm Andreas Vowinckel 1964 eine Tätigkeit als Geschäftsführer in der documenta-Foundation an. Die documenta-Foundation e.V. wurde anlässlich der documenta III gegründet, mit der Aufgabe, Mittel für die Finanzierung der Abteilung Skulptur in der Orangerie zu beschaffen. Hein Stünke hatte die Idee, über die Foundation Editionen von documenta-Teilnehmer*innen aufzulegen und durch den Verkauf Teilbereiche der documenta-Ausstellungen zu finanzieren.[ii] Die Edition der documenta 4 hatte Andreas Vowinckel selbst zu verantworten. Im Dezember 1967 reiste er zusammen mit Jan Leering (Stedelijk Van Abbemuseum Eindhoven) und Hein Stünke als Mitglied des documenta-Rats zur Vorbereitung der documenta-Sektion „Malerei“ nach New York, um Künstler*innen in ihren Ateliers zu besuchen. Die Kontaktaufnahme erfolgte über die ansässigen Galerien, die wiederum die Kontakte zu den Künstler*innen herstellten. Im Archivbestand C 11 der documenta-Foundation befinden sich zahlreiche Briefe mit Künstler*innen insbesondere der Pop Art wie Richard Hamilton, Robert Indiana, Allen Jones, Robert Rauschenberg, Claes Oldenburg und mit den Galerien Leo Castelli, André Emmerich, Richard Feigen Gallery, Sidney Janis, die den engen Austausch mit Andreas Vowinckel belegen.
Nachdem die Firma des Vaters, die Christoph Vowinckel leitete, in den 1960er Jahren verkauft worden war, wurde das Geld in die Renovierung und den Wiederaufbau des halbzerstörten Bürohauses in der Lindenstr. 18–22 investiert.[iii] Ab 1967 vermieteten Andreas und Christoph Vowinckel als Grundstücksgemeinschaft Räume und gestalteten sie in Absprache mit den Mieter*innen. Ihr Ziel und Konzept war es, dort insbesondere Galerien anzusiedeln. Der erste Mieter war Rolf Ricke, der 1967 mit seiner Galerie von Kassel nach Köln zog.[iv]
Bis 1971 etablierten sich zunächst als erste Gemeinschaft im Galeriehaus Lindenstr. 18-22 sieben Galerien: Heiner Friedrich, Hans-Jürgen Müller, Hans Neuendorf, Reinhard Onnasch, Rolf Ricke, M.E. Thelen und Dieter Wilbrand. Die Idee orientierte sich an New York – vor allem der 57th Street Midtown Manhattan – wo Galerien wie Dwan Gallery, André Emmerich, M. Knoedler & Co., Fischbach Gallery oder Sidney Janis über mehrere Stockwerke oder in unmittelbarer Nachbarschaft ein Galerienzentrum bildeten.[v]
Im September 1979 trat Andreas Vowinckel eine Stelle als Kurator im Württembergischen Kunstverein Stuttgart an, in enger Zusammenarbeit mit dem damaligen Leiter Tilman Osterwold, mit dem er diverse Ausstellungen wie u.a. Anselm Kiefer (18.09.–26.10.1980) kuratierte. Ab 1983 übernahm Andreas Vowinckel als Geschäftsführer die Leitung des Badischen Kunstvereins Karlsruhe, die er bis 1998 innehatte. In Nachfolge von Wulf Herzogenrath übernahm er 1988–95 den Vorsitz der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine (ADKV) und verantwortete größere Ausstellungsprojekte in Zusammenarbeit mit anderen Kunstvereinen wie u.a. das Projekt Kunst, Europa, das 1991 in 63 deutschen Kunstvereinen stattfand. Von 1986 bis 1991 war Andreas Vowinckel als Jurymitglied in der Stiftung Kunstfonds tätig.
2016 haben Andreas und Christoph Vowinckel in Andenken an ihren Vater das Bildnis eines Kostümierten, ein Aquarell von Paul Klee (1929), dem Museum Ludwig geschenkt. Bereits 1974 wurde aus der Sammlung ihres Vaters das bekannte Werk von Paul Klee Hauptweg und Nebenwege (1929), durch das Museum Ludwig erworben. Mit diesen beiden Werken und weiteren Zeichnungen und Druckgraphiken richtete das Museum einen eigenen Paul Klee-Raum ein.[vi]
Seit der Übergabe der Archivbestände engagierte sich Andreas Vowinckel kontinuierlich als Donator im ZADIK und war Mitglied in der Gesellschaft zur Förderung des ZADIK e.V. (vormals ZADIK e.V.).
[i]Dissertation von Andreas Vowinckel: Surrealismus und Kunst: Studien zu Ideengeschichte und Bedeutungswandel des Surrealismus vor Gründung der surrealistischen Bewegung und zu Begriff, Methode und Ikonographie des Surrealismus in der Kunst 1919 bis 1925, Universität Bonn, 1979, https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/COQXVWOBEJAZ73UTUHWZNNWELVRLWPPZ, 22.06.2026.
[ii]Andreas Vowinckel im Gespräch mit Brigitte Jacobs van Renswou am 26.01.2015, in: sediment „Wie die Pop Art nach Deutschland kam“, Heft Nr. 25/26, 2015, S. 149.
[iii]Gespräch Brigitte Jacobs van Renswou mit Gertrud Vowinckel-Textor am 22.06.2026.
[iv]Heiner Stachelhaus: „Galeriehaus Köln – feine Sache!“, o.A. 10.03.1971, ZADIK G 14, XIII, 3, 0068.
[v]Willi Bongard: „Ein Hauch von 57. Straße. Köln, die heimliche Kunsthandelsmetropole“, in: DIE ZEIT, 19.01.1968, ZADIK A1, XIII, 3.
[vi] o.V.: Kurz notiert: Paul Klee Raum im Museum Ludwig, in: rheinische ART, 12/2016, https://www.rheinische-art.de/cms/topics/paul-klee-raum-in-museum-ludwig-koeln.php, 23.06.2026.